Berichte 2017

Innovative Ideen für Qualität und Patientensicherheit am USZ

Seit sieben Jahren werden am USZ innovative Ideen und Projekte ausgezeichnet, die die Qualität und die Patientensicherheit nachhaltig verbessern. Mitarbeitende, die durch ihren diesbezüglichen Einsatz die tägliche Arbeit im Spital stetig verbessern und dadurch die Patientensicherheit stärken, sollen für dieses Engagement gewürdigt werden.

Bisher wurden von den Mitgliedern des Qualitätsboards 150 Beiträge juriert. Das Qualitätsboard ist ein Beratungsgremium der Spitaldirektion für Aspekte des Qualitätsmanagements und der Patientensicherheit. Sein Fokus liegt auf der medizinischen Behandlung (Diagnostik, Therapie und Pflege) und der Dienstleistungsqualität. Die beachtliche Anzahl an eingereichten Projekten in den letzten Jahren macht deutlich, wie stark sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrer täglichen Arbeit für laufende Verbesserungen einsetzen.

2018 wurden 25 Vorschläge eingereicht, davon gehörten 14 Projekte in die Kategorie Q-Ideen, die restlichen 11 Eingaben in die Kategorie Q-Projekte umfassender wissenschaftlicher Arbeiten.

Sechs Projekte wurden an der Preisverleihung des Q-Awards USZ 2018 im Rahmen einer internen Veranstaltung ausgezeichnet, darunter je drei Q-Ideen und drei Q-Projekte.

Die vielfältigen Projekte befassen sich mit der Standardisierung zur Optimierung der Behandlungsqualität (SafAIRway), dem gezielten Einsatz von Ressourcen (Risk Score zur gezielten Identifikation von Patientinnen und Patienten), der Einbindung neuer Technologien (VIRTUE, Einsatz künstlicher Intelligenz in der Mammographie) sowie mit Hygieneprojekten, in die teilweise auch Patienten und deren Angehörige eingebunden wurden (WoW, Hand in Hand).

Gewinner des Q-Award im Jahr 2018 sind:

Ausgezeichnete Q-Projekte

SafAIRway – Atemwegssicherung bei der flexiblen Bronchoskopie

Daniel Franzen, Melanie Schulze, Bastian Grande, Michaela Kolbe, Sarah Kriech, Malcolm Kohler

In einem Pilotversuch innerhalb des USZ wurde eigens für die Pneumologen und das dazugehörige Pflegepersonal ein Atemwegalgorithmus («SafAIRway») entwickelt, trainiert und bezüglich verschiedener «Safety Endpoints» untersucht.

23 Angestellte der Klinik für Pneumologie haben dafür insgesamt 552 Manöver absolviert. Beim Larynxtubus sowie bei der Cricothyrotomie war eine wesentliche Verbesserung durch eine schnellere Anwendung messbar. Zudem konnte gezeigt werden, dass mit dem Einsatz des Algorithmus das subjektive Sicherheitsempfinden der Mitarbeitenden stieg.

Waschen ohne Wasser (WoW)

Peter Schreiber, Mesida Dunic, Marie-Theres Meier, Dirk Saleschus, Paola Massarotto, Martin Fröhlich, Reto Schüpbach, Hugo Sax, Stefan P. Kuster

Zentralvenenkatheter (ZVK) können eine gefährliche Eintrittspforte für Bakterien ins Blut sein. Dadurch entstehende Infektionen – ZVK-assoziierte Bakteriämien (CLABSI) – tragen zu Komplikationen bei, die von der Verlängerung des Spitalaufenthalts bis zum Tod der Patientin oder des Patienten führen können. Mit der Einführung von täglichen Ganzkörperwaschungen mit Chlorhexidin will das WoW-Team eine Reduktion von CLABSI erreichen.

Nach der Einführung von Waschen ohne Wasser konnte die CLABSI-Infektionsrate signifikant reduziert werden. Die Anwendung des Waschens ohne Wasser erzielte sowohl bei den Pflegefachpersonen als auch bei den Patientinnen und Patienten ein positives Feedback.

Pilotprojekt «Hand in Hand» am Institut für Notfallmedizin

Doris Eis, Claudia Dell’Apollonia, Patrik Honegger, Denise Desponds, Dagmar Keller Lang


Händehygiene ist eine einfache und kostengünstige Massnahme, um die Verbreitung ansteckender Krankheiten zu vermeiden. Ausserhalb eines Spitals sind jedoch die Wenigsten mit der korrekten Anwendung von Desinfektionsmitteln und Masken vertraut. In einem Pilotprojekt haben Mitarbeitende des Freiwilligendienstes Notfallpatienten, die eine Tröpfchenisolation brauchten und im Wartebereich des Notfalls warten mussten, erklärt und gezeigt, wie sie ihre Hände korrekt desinfizieren und die Maske richtig tragen.

Qualitative Rückmeldungen von Patientinnen und Patienten zeigten, dass diese Unterstützung geschätzt und gut akzeptiert wurde. Die Mitarbeitenden des Freiwilligendiensts fühlten sich gut vorbereitet, um Patienteninstruktionen durchzuführen (100%). 83,3% von ihnen empfanden diese Tätigkeit als sinnvoll.

Ausgezeichnete Q-Ideen

Risk-Score zur Identifikation von Patientinnen und Patienten mit hohem Risiko für eine nichtbeatmungsassoziierte spitalerworbene Pneumonie

Aline Wolfensberger, Werner Jakob, Viacheslav Kachalov, Katharina Kusejko, Roger Kouyos, Lauren Clack, Mirjam Faes Hesse, Marie-Theres Meier, Dirk Saleschus, Hugo Sax

Spitalerworbene Pneumonien bei nicht beatmeten Patienten (nvHAP) sind ein Risiko für die Patientensicherheit und führen zu einer erhöhten Morbidität und Mortalität, zu einer Verlängerung des Spitalaufenthalts und zu erhöhten Kosten.

Im USZ wurde im Jahr 2018 ein Bündel von Präventionsmassnahmen zur Verhinderung von nvHAP geschnürt, bestehend aus Mundpflege, Erkennen und Therapieren von Schluckstörungen, Mobilisation, Stoppen von nichtindizierten Protonenpumpen-Inhibitoren und Atemphysiotherapie. Patientinnen und Patienten, die ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer nvHAP haben, sollen mit Hilfe dieser Massnahmen frühzeitig identifiziert und gezielt therapiert werden können.

VIRTUE – ein Virtual-Reality-Trainer für die Händehygiene

Lauren Clack, Christian Hirt, Marcel Wenger, Dirk Saleschus, Andreas Kunz, Hugo Sax


Die Händehygiene, eine wichtige Massnahme zur Prävention von spitalerworbenen Infektionen, wird im Gesundheitswesen oft ungenügend angewendet.

In einer virtuellen Arbeitsumgebung können Spitalmitarbeitende die Auswirkungen von Händehygieneverhalten direkt erleben und trainieren: Keime werden sichtbar gemacht und ihre Wirkung unmittelbar veranschaulicht. Dieses erlebnisbasierte Lernen soll die Händehygiene-Performance der Spitalmitarbeitenden und damit auch die Patientensicherheit nachhaltig erhöhen.


Künstliche Intelligenz zur Analyse der technischen Bildqualität bei Mammographien

Andreas Boss

Für den effizienten Einsatz der Mammographie zum Nachweis von Brustkrebs ist die technisch korrekte Aufnahme durch das medizinisch-technische Personal wichtig. Nur so ist sichergestellt, dass das Drüsenparenchym vollständig und in ausreichender Bildqualität erfasst wird. Im sogenannten PGMI-System (Perfekt, Gut, Mässig, Insuffizient) sollen 70 Prozent perfekte oder gute Aufnahmen sowie weniger als 3 Prozent ungenügende Aufnahmen erreicht werden. Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines Systems der Künstlichen Intelligenz, das eine automatisierte PGMI-Beurteilung der mammographischen Bildqualität durchführt. Dadurch kann die mammographische Bildqualität erstmalig effizient kontrolliert werden. Das Ergebnis sind bessere Mammographien, eine Steigerung der Fertigkeiten des Personals, geringere unnötige Strahlenbelastung und weniger durch inadäquate Bildqualität verpasste Befunde.

Nachhaltigkeitspreis

Automatisierung des Point-of-Care-Testing (POCT)

Susanna Zürrer, Urs Haesler, Pascal Giger, Roger Scherrer

Am USZ wurden vor Projektbeginn mehr als 300 POCT-Geräte eingesetzt, verteilt über 83 Abteilungen und verschiedene Kliniken mit insgesamt über 1500 Gerätenutzern. Die Automatisierung durch flächendeckende Netzwerkanbindung aller POC-Analysegeräte und die automatische Abrechnung aller POC-Analysen und weitere Prozessverbesserungen führten inzwischen zu einer qualitätsgesicherten Effizienzsteigerung und höheren Sicherheit.